Samstag, 13. September 2008

Letzter Abend von Theri

Heute war der letzte (vollstaendige) Tag meiner Schwester Theresa in Toronto. Deshalb durfte sie auch ueber die Abendplanung bestimmen. Ihre große Schwester Vero suggerierte ihr erfolgreich, dass sie einen unglaublichen Heißhunger auf die Nachos im Victory Café hätte.
Zur Erklärung muss hier gesagt werden, dass wir am Mittwoch schon einmal im Victory Café waren und zwar mit Kadda, die sich dort mit einem alten Freund, der hier in Toronto lebt, traf. Und an diesem Abend erspähte ich zum ersten Mal den größten, am besten riechensten und am lecker aussehensten Nacho-Teller meines Lebens. Fuer mich stand fest: Ich reise nicht aus Toronto ab ohne einmal in diesen Genuss, der direkt aus dem mexikanischen Schlaraffenland entsprungen zu sein schien, erlebt zu haben.

Nun gut, ich saß also mit meiner Schwester im gemueltichen Victory Café, trank mein wohlueberlegt aus einer umfangreichen Karte ausgewaehltes Black Oak Nut Brown, das auch sofort zu meinem kanadischen Lieblingsbier erkoren wurde. Boese Menschen wuerden sagen, ein Kinderbier. Aber wer das Guinness wegen dem karamelligen Nachgeschmack trinkt, sollte sich das Nut Brown nicht entgehen lassen. Denn dieses Bier ist ein wahres Bonbon! Theri war eher lokalpatriotisch und trank ein Bier aus der Mill Street, dem Brauereibezirk von Toronto.

Vor lauter Freude ueber meine gelungene Getraenkewahl vergass ich fast den Mount Everest aus Nachos, der uns nach etwa 15 min serviert wurde. Ein Traum mit käsebedeckten und schnittlauchüberstreuten Gipfeln, durchzogen von hoellisch scharfen Jalapenostuecken und Paprikastreifen. Dazu gab es Salsa und Sour Cream. Es war ein Fest und wir waren nach 3/4 der Portion pappsatt, obwohl wir den ganzen Tag gefastet hatten.

Von Toronto


Frisch gestaerkt trafen wir uns an der Horseshoe Tavern mit den anderen Mainzern und Sebastian, einem Doktoranden aus Dresden, der bei Markus und "Unserem" Sebastian im Arbeitskreis ist. Hier hoerten wir uns ein Konzert von Kaddas torontischer Bekanntschaft und noch einer weiteren Band an. Leider stellten Theri und ich wieder einmal fest, dass wir niemals zusammen auf Konzerte gehen sollten, denn immer wenn wir das tun, ist der Hauptact scheisse. So auch diesmal. Zum Trost gab ich meiner kleinen Schwester ein Bier aus, auch wenn ich als pflicht- und verantwortungsbewusste große Schwester den Alkoholkonsum meiner jüngeren Geschwister nicht unterstuetzen sollte. Doch ob es sich bei kanadischem Bier ueberhaupt um alkoholische Getraenke handelt, steht fuer uns immer noch nicht so ganz fest.

Nach Nachos und Konzert fehlte jetzt nur noch ein Club fuer einen gelungenen Abend. Los ging's in eine Location namens irgendwas Wreck. Ugly Wreck wuerde passen. Es haette uns schon stutzig machen sollen, dass man mit Student ID kostenlos reinkam und das Teil neben dem Honest Ed's war. Denn der ehrliche Eduart aka Eddy steht fuer billigen Spass niederer Qualitaet. Und so war es dann auch im Wrack. Wir erlebten zwar nicht den tollsten Abend unseres Lebens, aber es gab wieder ein nettes Voelkchen auf der Tanzflaeche zu beobachten. Wie in diesem seltsamen Land ueblich, wurde um 2 Uhr die Bar geschlossen und um Viertel vor drei erfolgte er komplette Rausschmiss. Wir gingen zwar etwas missmutig durch den stroemenden Regen nach Hause, aber es hatte ja keinen Eintritt gekostet.

Donnerstag, 11. September 2008

Laborare heisst Arbeiten!

Am Montag begann fuer mich der Ernst des kanadischen Lebens. Nein, nicht der Winter, auch wenn es uber Nacht schon sehr, sehr kuehl wird, sondern die Vorlesungen. Hier gibt es einige Unterschiede zu einer deutschen Uni. Erstens Mal gibt es hier kein akadmisches Viertel sondern ein akademisches Sechstel, das heisst, die Vorlesungen beginnen schon um 10 nach. Das wussten wir aber zum Glueck, deshalb waren wir auch puenktlich in "Organic Chemistry of Biological Compunds", einer Vorlesung fuer das dritte Jahr (5. und 6. Semester bei uns). Etwas seltsam fuehlten wir uns, da hier von der multikulturellsten Stadt und vermutlich auch multikulturellsten Uni der Welt wenig zu sehen war - die Vorlesung bestand ausser dem Prof und uns eigentlich nur aus Studenten mit asiatischem Immigrationshintergrund! Das Niveau der Vorlesung scheint etwas unter dem unserem zu liegen, da wir anscheinend nur Dinge lernen werden, die wir schon asu usnerem zweiten Semester kennen. Doch etwas Wiederholung kann ja nicht schaden. Was wir ausserdem an unserem ersten Unitag lernten war, dass Studieren nicht nur wegen der Gebueheren hier sehr teuer ist sondern auch, weil man sich wie in der Schule zu jeder Vorlesung ein Buch kaufen muss. Es ist hier auch nicht so wie in Mainz, wo es einen grossen Vorrat an den gaengigen Lehrbuechern in der Bibliothek gibt, die man sich ausleihen kann. Die Buecher gibt es jeweils nur einmal und sind auch nicht verleihbar, wenn sie einem Kurs zugeordnet sind.

Am Dienstag dann hatten wir unsere andere Vorlesung, Metallorganik. Hier bot sich uns ein vollkommen anderes Bild der Teilnehmer, es waren erstens viel weniger als in der anderen Vorlesung und zweitens sahen sie auch aelter aus. Wie sich dann herausstellte, hoerten fast nur Graduates (also Doktoranden) und Exchangers die Vorlesung. Anscheinend hatte sie den Ruf serh schwierig zu sein. Sie entspricht - soweit ichd as bisher und anhandf des Lehrbuchs beurteilen kann - einer Mainzer Vorlesung auf Hauptstudiumsniveau wie etwa OC3 oder AC3.

Anders ist auch das Pruefungssystem hier. Man schriebt eine ganz grosse Abschlussklausur zu jeder Vorlesung am Ende des Semesters, sie zaehlt am meisten zur Note. Ausserdem schreibt man eine oder mehrere Zwischenklausuren und muss noch eine Aufgabe vorrechnen oder einen Vortrag halten, was auch alles in die Bewertung einfliesst.

Am Mittwoch begann ich meine Arbeit im Labor bei professor Stephans. Er befasst sich unter anderem mit Boranen. Mein Mentor wie es hier heisst ist Matze, er ist Deutscher und ich bin die einzige hier in der Arbeitsgruppe die nicht Matthias sagen muss weil sie Matze aussprechen kann :) Mit ihm habe ich direkt durchgestartet, ich durfte lernen, wie man in der Handschuhbox arbeitet, da ich nur sehr empfindliche Synthesen machen werde, die nicht mit Luft in Beruehrung kommen duerfen. Etwas anstrengend war es schon und es ist auch gewoehnungsbeduerftig, dass man, wenn man seien Haende erstmal in den schulterlangen Handschuhen hat, sich nicht mehr mal eben kratzen oder die Hose hochziehen kann, allerdings hat es auch sehr viel Spass gemacht, nachdem ich ja solche Errungenschaften der Technik liebe. Matze lobte mich auch fuer mein technisches Verstaendnis, da ich -laut ihm- ueberdurschnittlich schnell die Schleustechnik mit der Betaetigung von vier verschiedenen Knoepfen fuer Evakuiieren, Fluten, Umwaelzen und Absaugen begriff, mit der man Chemikalien in und aus der Box transportiert. Da war ich schon ein bisschen stolz.

Heute habe ich weiter an dem Versuch von gestern gearbeitet, ich moechte ihn heute abschliessen, deshalb bin ich immer noch hier im Labor, wir haben bereits fast 10 Urh abends. Denn morgen soll es spaet losgehen udn frueh aufhoeren, da es hier fuer die Arbeitskreise deutsches Bier fuer einen Dollar verkauft und kostenloses deutsches Essen verteilt. Da das schon um 17.30 Uhr beginnt muss bis dahin alles fertig sein, sonst ist nichts mehr da! Und Matze meinte, spaet anfangen waer auch gut, damit wir ess-udn trinkfester sind morgen Abend. Ich bin gespannt.